Deborah Feldman: Unorthodox

feldman_unorthodoxDeborah steigt aus. Aus den engen, dicken Strumpfhosen. Aus der Rolle als umher huschende Ehefrau und Mutter einer möglichst zahlreichen Kinderschar. Aus ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde im heutigen Williamsburg, Brooklyn, New York.

Die 1986 geborene Autorin erzählt in diesem autobiografischen Werk von ihrer Kindheit und Jugend einer der weltweit größten chassidischen Gemeinden. Die häufig auch als Sekte bezeichnete Gemeinschaft der Satmarer Juden, eine Gruppe von über 100.000 Personen, hält den Holocaust für eine Strafe Gottes und lehnt den Staat Israel rigoros ab. Kinderreichtum und ein bescheidenes, an Armut grenzendes Leben sind ein Muss, ebenso ein (auch gewaltsames) Eintreten für die eigene Überzeugung. Die Kinder besuchen private religiöse Schulen. Jungen und Mädchen getrennt; weltliche Fächer wie etwa Englisch sind zweitrangig, in Williamsburg wird Jiddisch gesprochen. Die Gemeinde bringt Jungen hervor, so fromm, dass sie nicht mit ihrer eigenen Großmutter sprechen, weil sie eine Frau ist. Weiterlesen

SuB am Samstag #3

sub3

Bei der Aktion „SuB am Samstag“ von Frau Hauptsachebunt werden samstags einige Bücher aus dem heimischen „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher) vorgestellt. Falls jemand eines der vorgestellten Bücher schon gelesen hat, oder gar eine gemeinsame Leserunde starten möchte, melde sie/er sich gern!  Weiterlesen

Rainer Wieland: Das Buch des Reisens

wieland-rainerDieser Schatz von einem Buch enthält 69 Reiseberichte aus 2500 Jahren Menschheitsgeschichte. In dem ausführlichen Vorwort wird erklärt, dass nur Berichte aufgenommen wurden, von denen man annimmt, dass sie Reisen beschreiben, die tatsächlich stattgefunden haben. Die Berichte wurden dann meist von Teilnehmern der Reise selbst verfasst. Dadurch, dass man den Autor als Reisenden betrachtet, eröffnet sich ein ganz neuer Blickwinkel. Weiterlesen

Leselisten und meine 150 Bücher

In der letzten Zeit ging mir häufiger die Frage durch den Kopf, welche Bücher es sind, die „man“ im Laufe seines Lebens gelesen haben sollte. Ich habe mich durch einige dieser unzähligen Buchlisten gewühlt:

Die hundert besten Bücher der Weltliteratur, ausgewählt von Schriftstellern
• 1001 Books you must read before you die von Peter Boxall (wird gelesen auf diesem Blog)
Die 100 besten Bücher des 20. Jahrhunderts von Le Monde
Die 100 besten englischsprachigen Bücher 1923-2005 des Time-Magazins
Marcel Reich Ranickis Kanon lesenwerter deutschsprachiger Werke
Die Rory Gilmore-Leseliste
und andere mehr.

Völlig überzeugt hat mich keine der Listen. Viele beschränkten sich nur auf einen einzigen Sprachraum, der es nur bedingt zulässt, auch ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Andere waren mir einfach bei Weitem zu umfangreich (1001 Buch). Also habe ich mir aus allen Listen 150 Werke ausgesucht, die mich persönlich interessieren, die ich noch nicht (durch-)gelesen habe (die einzige Ausnahme ist ein Werk von Dostojewski, aber das ist schon so lange her, dass es gern wieder auf die Liste wandern konnte). Die Zeiteinteilungen sollen nur eine grobe Orientierung bieten; die Jahresangaben in Klammern beziehen sich auf das Erscheinen der Erstausgabe, bei älteren Werken auf den vermuteten Entstehungszeitpunkt.

Beim Durchlesen der fertigen Liste ist mir aufgefallen, dass sie am Ende doch sehr eurozentrisch geworden ist. Besonders aus dem deutschsprachigen Raum finden sich viele Werke. Die meisten Werke sind Romane und Erzählungen, Lyrik und Sachbücher finden sich fast gar nicht. Aber diese Liste ist nur ein erster Ansatzpunkt: persönlich, streitbar und zur Diskussion freigegeben.

Zu meiner persönlichen Liste:

k1024_leseliste

Sub2

SuB am Samstag #1

Durch den Blog Frau Hauptsachebunt bin ich schon vor längerer Zeit auf die Aktion „SuB am Samstag“ aufmerksam geworden. Dabei werden samstags einige Bücher aus dem heimischen „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher) vorgestellt. Mein „SuB“ war bisher sehr klein, ist aber in der letzten Zeit deutlich gewachsen. Es gibt da so einige Bücher, deren Lektüre ich gekonnt vor mir herschiebe. Hoffentlich wächst meine Motivation, wenn ich die Bücher mal wieder in die Hand nehme und ein paar Zeilen über sie schreibe. Falls jemand eines der vorgestellten Bücher schon gelesen hat, oder gar eine gemeinsame Leserunde starten möchte, melde sie/er sich gern!  Weiterlesen

[LitFilm] NERVE

Hier kommt sie, die erste kurze Filmkritik! Ganz neues Pflaster und wirklich anders, als eine Buchrezension zu schreiben. Sobald sich wieder die Möglichkeit bietet, erscheinen unter dem Schlagwort [LitFilm] dann in Zukunft weitere Kritiken zu Literaturverfilmungen. Jetzt aber erst mal zu diesem Film:

NerveNew York, 2020: Der Highschool-Abschluss ist nahe, das College ruft und die schüchterne Vee (Emma Roberts) will sich endlich mal was trauen. Deshalb meldet sie sich beim illegalen Online-Spiel Nerve an, bei dem die Zuschauer (Watcher) dafür bezahlen, den Spielern (Player) Herausforderungen zu stellen. Die Player nehmen die teils peinlichen, teils gefährlichen Herausforderungen an und gelangen so zu Geld und Ruhm – oder scheiden aus.

Das Thema des Filmes könnte aktueller nicht sein: Es geht um den Verlust der eigenen Daten im Internet und die Angst vor totaler Fremdkontrolle. Nerve verpflichtet zu gnadenloser Selbstdarstellung Weiterlesen

Wednesday Martin: Primates of Park Avenue


PrimatesReich, reicher, die Upper East Side. Welche kulturellen Besonderheiten die New Yorker Hochglanzwelt bereithält, schildert Wednesday Martin in ihrem viel diskutierten Buch „Primates of Park Avenue“.

Die Sozialforscherin nimmt besonders Mütter unter die Lupe: sie sehen umwerfend aus, sind phänomenal gekleidet und würden für ihre Kinder alles tun. Die Vielzahl an Rezensionen, die zu diesem Werk erschienen sind, greifen besonders diesen Glamour-Aspekt des Werkes auf.
Natürlich werden die Namen bekannter Designer im Name-Dropping-Stil fallen gelassen und sicher weiß man nach der Lektüre, welche Handtaschenmodelle im Jahr des Erscheinens durch die Upper-East-Side geschaukelt wurden. Interessant sind auch Martins Berichte darüber, nach welch krudem System Immobilien verwaltet werden und welcher „Qualifikationen“ es bedarf, um Mieter in den begehrtesten Häusern mit bestem Blick auf den Central Park zu werden.

Weiterlesen

Szilárd Borbély: Die Mittellosen

42450Im Februar 2014 nahm sich der Autor das Leben. Dieser Satz, so wahr wie endgültig, findet sich in der dem Roman vorangestellten Kurzbiografie Szilárd Borbélys. In der Erzählfiktion „Die Mittellosen“ schildert der Autor seine Kindheit in einem ungarischen Dorf der 1970er Jahre.

Missgunst, Gewalt, Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit: Das Dorf ist wahrlichkein Ort für zartbesaitete Gemüter. Die Menschen hier verhalten sich in ihrem Hass auf alles, was anders ist, so wie schon seit Jahrhunderten: Herkunft und Stand spielen auch unter den „Genossen“ eine Rolle, endlich haben „die Bauern“ die offizielle Erlaubnis, es jenen heimzuzahlen, die klüger gewirtschaftet haben als sie selbst. Der einzige im  Dorf verbliebene Jude wird weiterhin gemieden, viel zu adrett sahen doch seine Töchter immer aus. Selbst noch, als sie deportiert wurden.

Weiterlesen